Das Comeback der Inflation

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (Bild Europäische Zentralbank)

 

Erstmals seit September 2013 liegt die Inflationsrate in der Eurozone im Dezember wieder über 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 0,6 Prozent vom November.

Verantwortlich dafür sind einerseits die höheren Energiepreise und die daraus resultierenden Basiseffekte – der Preis für Brent-Öl liegt mittlerweile rund 50,0 Prozent höher als im Vorjahr –, andererseits die Abwertung des Euro in den letzten Wochen, die sich nun über steigende Importpreise im Warenkorb bemerkbar macht.

 

Die Kerninflationsrate ist entscheidend

In den kommenden Monaten wird die Inflation allein schon aufgrund der Basiseffekte weiter anziehen, weshalb die Gesamtrate den Zielbereich der Europäischen Zentralbank von „unter, aber nahe 2,0 Prozent“ demnächst erreichen könnte.

Entscheidend für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und ihres Präsidenten Mario Draghi ist jedoch die Entwicklung der Kernrate, der Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel. Die kletterte im Dezember geringfügig auf 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, allzu rasche Anstiege sind jedoch nicht zu erwarten, da beispielsweise kein Lohndruck im Währungsraum festzustellen ist.

 

Die Anleihenkäufe werden reduziert

Auch wenn sich die Preisanstiege im Jahresverlauf wieder mäßigen werden – die Europäische Zentralbank erwartet im Jahresdurchschnitt 2017 eine Inflationsrate von lediglich 1,3 Prozent –, wird das Inflationsumfeld in den kommenden Monaten zu verstärkten Diskussionen darüber führen, ob die weiter sehr expansive geldpolitische Ausrichtung der Zentralbank angemessen ist.

Ihre Strategie für 2017 wurde im Rahmen ihrer letzten Ratssitzung bereits ziemlich genau festgelegt: Sie wird auf jeden Fall bis zum Jahresende Anleihen kaufen, wenn auch ab April in reduziertem Ausmaß. Das monatliche Quantitative Easing-Kaufvolumen beträgt dann nur mehr 60 Milliarden anstatt der aktuell 80 Milliarden Euro.

Offiziell legt die Europäische Zentralbank viel Wert darauf, Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der Anleihenkäufe und eine Normalisierung der ultraexpansiven Geldpolitik zu unterbinden. Mittlerweile verweisen jedoch schon einzelne Vertreterinnen und Vertreter der Bank auf die gestiegenen Inflationsrisiken. Diese Wortmeldungen werden sich in den nächsten Monaten häufen.

 

 

Jänner 2017, Bild Europäische Zentralbank