Amerikanische Inflation nimmt Fahrt auf

Amerikanische Inflation nimmt Fahrt auf

 

Die amerikanische Inflationsrate hat im Juni mit 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr den höchsten Stand seit Jänner 2012 erreicht. Damit steht die Teuerungsrate nur noch knapp unter der 3-Prozent-Marke, die zuletzt im November 2011 überschritten worden war.

Neben dem preistreibenden Effekt durch die gestiegenen Ölpreise macht sich zunehmend auch die Zollpolitik der amerikanischen Regierung bemerkbar. So stieg der Produzentenpreisindex im Juli mit 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ebenfalls auf ein Mehrjahreshoch, wobei neben den Energiekosten vor allem im von den Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffenen Fahrzeugbau ein starker Preisanstieg zu beobachten war.

 

Keine Konjunkturabkühlung in Sicht

Mehrere Daten lassen darauf schließen, dass die Kernverbraucherpreise, die im Juni auf 2,3 Prozent gestiegen sind, weiter anziehen werden und auch eine schnelle Konjunkturabkühlung ist nicht in Sicht. Es verwundert daher nicht, dass mehrere Mitglieder der amerikanischen Notenbank vom Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft und eines Überschießens der Inflation sprechen und weitere Leitzinserhöhungen fordern – obwohl es Risiken und Unsicherheiten im Zusammenhang mit der protektionistischen Handelspolitik von Präsident Donald Trump gibt.

Erst letzte Woche zündete Washington im Handelskrieg mit China die nächste Stufe: Die amerikanische Regierung legte eine neue Liste von chinesischen Gütern vor, auf welche Strafzölle von zehn Prozent erhoben werden sollen. Die potenziell betroffenen Importe haben einen jährlichen Handelswert von etwa 200 Milliarden US-Dollar. China droht abermals mit Vergeltung. Die Spirale aus Zoll und Gegenzoll dreht sich also weiter. Der Ausgang ist ungewiss.

 

Noch heuer weitere Zinsanhebungen

Klar ist hingegen, dass immer höhere Abgaben einen inflationären Effekt haben werden – also eigentlich ist der Handelskrieg dann ein weiteres Argument für eine Fortsetzung des Zinserhöhungszykluses in den Vereinigten Staaten. Zwei weitere Zinsanhebungen der Notenbank in diesem Jahr gelten als ausgemachte Sache.

Der nächste Schritt auf ein Leitzinszielband von 2,00 bis 2,25 Prozent im Rahmen der übernächsten Sitzung Ende September ist derzeit zu knapp neunzig Prozent eingepreist. Bis 2020 signalisiert die Fed in ihren eigenen Zinsprojektionen, dem sogenannten „Dot Plot“, einen Anstieg bis in den Bereich von 3,25 bis 3,50 Prozent.

 

Juli 2018, Bild Rawf, www.shutterstock.com