Heilbehandlungen nicht immer steuerfrei

Heilbehandlungen nicht immer steuerfrei

 

Die Umsätze aus Heilbehandlungen von Ärztinnen und Ärzten der Humanmedizin sind grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Für diese Umsatzsteuerbefreiung spielt allerdings die Definition der ärztlichen Heilbehandlungen eine wichtige Rolle.

Umsatzsteuerfreie ärztliche Heilbehandlungen sind Tätigkeiten, die zum Zwecke der Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten und zum Schutz, der Aufrechterhaltung oder zur Wiederherstellung der menschlichen Gesundheit erbracht werden. Die Heilbehandlung muss von einer Person erbracht werden, die zur Ausübung eines Heilberufes laut Ärztegesetz zugelassen ist.

 

Umsatzsteuerfreie ärztliche Heilbehandlungen

Beispielsweise sind das folgende Tätigkeiten:

  • Untersuchung, Beurteilung, Behandlung – inklusive Verabreichung von Medikamenten während einer Behandlung – und Vorbeugung von menschlichen Krankheiten.
  • Vornahme operativer Eingriffe inklusive Entnahme oder Infusion von Blut
  • Verordnungen von Heilmitteln und Heilbehelfen, Anpassung von Kontaktlinsen und Hörgeräten
  • Erstellung ärztlicher Zeugnisse und ärztlicher Gutachten, die dem Schutz der Gesundheit des Betroffenen dienen – mit einigen Ausnahmen!
  • Ästhetisch-plastische Leistungen, Schwangerschaftsabbrüche oder das Einsetzen einer Spirale zur Empfängnisverhütung nur dann, wenn der Eingriff medizinisch indiziert ist und einem therapeutischen Ziel dient – bei Schönheitsoperationen wie zum Beispiel einer Nasenkorrektur nach einem Verkehrsunfall, bei medizinisch indizierter Brustverkleinerung oder bei Schweißdrüsenabsaugung – und dieses Ziel ausreichend von der Ärztin oder dem Arzt dokumentiert wird, wobei die Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung ein Indiz für die medizinische Indikation sein kann

Ärztliche Leistungen, die keine Heilbehandlung sind und mit denen kein medizinisch-therapeutisches Ziel verfolgt wird, sind hingegen umsatzsteuerpflichtig, wobei die entsprechende Beurteilung die behandelnde Ärztin und der behandelnde Arzt zu treffen haben und diese für die Finanzverwaltung bindend ist.

 

Umsatzsteuerpflichtige ärztliche Tätigkeiten

Als umsatzsteuerpflichtige ärztliche Tätigkeiten werden in den Umsatzsteuerrichtlinien unter anderem angeführt:

  • Schriftstellerische Tätigkeit
  • Vortragstätigkeit
  • Gutachten wie zum Beispiel zur Feststellung einer erbbiologischen Verwandtschaft, der Vaterschaftstest
  • Psychologische Tauglichkeitstests
  • Lieferung von Hilfsmitteln wie zum Beispiel Kontaktlinsen oder Schuheinlagen und von Medikamenten
  • Vermietung von Räumlichkeiten oder medizinischen Groß- und Kleingeräten durch Ärztinnen und Ärzte
  • Rein kosmetische Eingriffe wie zum Beispiel Faltenbehandlung, Brustvergrößerung oder Lifting

Da die Frage, ob eine Heilbehandlung vorliegt oder nicht, umsatzsteuerlich weitreichende Folgen haben kann, empfiehlt sich eine genaue Dokumentation des Krankheitsbildes und der Behandlung, wobei gegenüber der Finanzverwaltung die ärztliche Schweigepflicht zu beachten ist.

Laut einem aktuellen Erkenntnis des Bundesfinanzgerichts muss die für eine etwaige Steuerbefreiung maßgebende medizinische Indikation eindeutig in den Behandlungsunterlagen dokumentiert sein und für jedes Jahr, für jede Behandlungsmethode und zu jedem vereinnahmten Betrag beziehungsweise jeder Honorarnote nachgewiesen werden können. Das Anhäufen medizinischer Fachausdrücke reiche dafür nicht aus.

 

Lassen Sie sich rechtzeitig beraten!

Sind ärztliche Leistungen umsatzsteuerpflichtig, steht für in diesem Zusammenhang erhaltene Vorleistungen übrigens anteilig der Vorsteuerabzug zu!

Für Fragen dazu steht Ihnen Frau Mag. Silvia Frasch, Steuerberaterin bei LBG in Wien, gerne zur Verfügung.

 

Mag. Silvia Frasch

 

StB/UB Mag. Silvia Frasch

Geschäftsführerin und Partnerin der LBG Wien Steuerberatung

Tel. 01 531 05 – 1539
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April 2018, Bilder Bundesministerium für Finanzen und LBG Steuerberatung