Die totale Transparenz

Steuer

 

Das Bankenpaket hat der Finanz schlagkräftige Waffen im Kampf gegen die Steuervermeidung in die Hand gegeben. Seit vorigem Jahr kennt die Finanz – das Kontenregister macht’s möglich – die inländischen Konten aller österreichischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Nun erfährt das Finanzamt auch noch die Details über ausländische Kontoverbindungen.

Die Behörden sind gerade sehr umtriebig. Momentan werten sie die Meldungen der Banken über jene Gelder aus, die Herr und Frau Österreicher aus der Schweiz und Liechtenstein zurückgeholt haben. Damit ist die letzte Chance für eine Selbstanzeige bald vorbei.

 

Ein neues Werkzeug der Prüfer

Ein Zahnarzt aus Niederösterreich staunte nicht schlecht: Als eine Betriebsprüfung ins Haus stand, legte ihm der Finanzbeamte zu Beginn eine Liste der ihm zuzurechnenden Konten vor – inklusive der Bausparkonten der Kinder. „Hier sind alle Ihre Konten. Sie sagen mir bitte jetzt, welche die Schwarzgeldkonten sind.“ Künftig werden die Betriebsprüfer die Kontenregisterabfrage mit Sicherheit verstärkt nutzen. Zur Ehrenrettung des Zahnarztes: In seinem Fall existierten keine Schwarzgeldkonten.

Wollen Sie wissen, was die Finanz schon über Sie weiß? Dann blicken Sie doch selbst ins Kontenregister! Dafür braucht es jedoch einen persönlichen FinanzOnline-Zugang. Steuerberaterinnen und Steuerberater haben übrigens keinen Zugriff auf die Information, welchen Konten ihre Mandantinnen und Mandanten haben oder bei welchen sie vertretungsbefugt sind. Einen persönlichen FinanzOnline-Zugang können Sie über die Homepage des Finanzministeriums beantragen.

Aus dem Kontenregister gehen zwar Kontoinhaberin oder Kontoinhaber, Vertretungsbefugte, Treugeber und die Kontonummer und der Tag der Eröffnung und Auflösung hervor, Kontostände sind jedoch nicht im Kontenregister erfasst. Um Einsicht in die vollständigen Kontendaten zu erhalten, ist eine richterliche Verfügung notwendig. Die Gerichte handhaben die Kontoeinsichtswünsche der Finanz – wie man hört – eher restriktiv.

 

Internationaler Informationsaustausch ausgebaut

Der Einblick des Fiskus in die finanziellen Verhältnisse der heimischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler reicht seit kurzem aber weit über Österreich hinaus. Hinter dieser Totaltransparenz steckt der verpflichtende internationale Informationsaustausch AIA zwischen den Steuerbehörden einer Vielzahl von Staaten. Achtung: AIA verschafft dem Finanzamt vollständige Kenntnis über die Kontostände von ausländischen Depots und Einlagekonten ebenso wie über Kapitalerträge – Zinsen, Dividenden, sonstige Erträge – und Verkaufserlöse aus Finanzgeschäften!

Das Finanzministerium hat jüngst eine Liste jener Staaten veröffentlicht, die am AIA teilnehmen. Darunter sind alle Mitgliedsländer der Europäischen Union, aber auch vermeintliche Steueroasen wie Aruba, die Kanalinseln oder die Cayman Islands. Die Liste finden Sie auf der Homepage des Finanzministeriums.

 

Letzte Chance für Zuschleicher-Kapital

Viele Österreicherinnen und Österreicher haben vor Inkrafttreten der Steuerabkommen mit der Schweiz und Liechtenstein ihr Geld nach Hause geholt. Die Details wurden erst kürzlich bekannt: Mehr als 3,3 Milliarden Euro sind auf österreichische Konten zurückgeflossen – ohne Abgeltungsbesteuerung. Die Banken waren verpflichtet, diese Zuflüsse der Finanz zu melden. Jetzt will das Finanzamt lückenlose Aufklärung über die Herkunft der Gelder. Und es verlangt den Nachweis, dass die Kapitalerträge in der Vergangenheit ordnungsgemäß versteuert wurden.

Falls Sie bislang übersehen haben, ausländische Guthaben oder heikle Zahlungszuflüsse zu versteuern: Abhängig vom jeweiligen Einzelfall kann eine Offenlegung durch Selbstanzeige sinnvoll sein. Eine solche Anzeige schützt Sie aber nur dann vor Strafe, wenn die Tat noch nicht entdeckt wurde. Sprechen Sie also ehestmöglich mit Ihrer Steuerberaterin und Ihrem Steuerberater!

 

AIA-Staaten (Homepage)

FinanzOnline (Homepage)

 

Dr. Georg Salcher

 

Dr. Georg Salcher

Geschäftsführender Gesellschafter und Steuerberater der Consultatio

Tel. 01 277 75 – 232
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April 2017, Bilder Bundesministerium für Finanzen und Consultatio