Verrechnungskonten im Visier der Finanz

Steuer

 

Borgen sich Gesellschafterinnen und Gesellschafter Geld von ihrer eigenen Gesellschaft mit beschränkter Haftung, schaut ihnen die Finanz genau auf die Finger: Handelt es sich tatsächlich um ein Darlehen, wie auch unter Fremden üblich? Oder ist es doch eine verdeckte Gewinnausschüttung? Wie die Finanz urteilt, hängt vor allem von zweierlei ab: den Rückzahlungsabsichten und der Bonität der Gesellschafter.

In Ein-Personen- oder familiendominierten Gesellschaften ist es eine häufige Praxis: Die Gesellschafter holen sich laufend Geld aus dem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen, um private Ausgaben zu finanzieren. Diese „Entnahmen“ werden auf einem Verrechnungskonto verbucht, das solcherart Jahr für Jahr anschwillt. Der Vorteil für die Gesellschafter: Das „Verrechnungsgeld“ fließt ihnen – anders als bei einer Gewinnausschüttung – steuerfrei zu, weil sie es eigentlich wieder zurückzahlen müssen. So häufen sich oft Forderungen in Millionenhöhe an.

Doch irgendwann ist „Schluss mit lustig“. Dann nämlich, wenn die Finanz prüft, ob nicht doch von einer steuerpflichtigen verdeckten Gewinnausschüttung auszugehen ist. Gemäß den neuesten Richtlinien der Finanzverwaltung sehen sich die Prüferinnen und Prüfer an, ob die Gesellschafter beabsichtigen, das Darlehen zurückzuzahlen, und ob ihre Bonität dafür überhaupt ausreicht.

 

Schriftlich vereinbaren und genau dokumentieren

Um die Rückzahlungsabsicht glaubwürdig zu dokumentieren, braucht es auf jeden Fall eine Vereinbarung über die Höhe des Kreditrahmens, über Laufzeit und Zinssatz. Maßgeblich dafür ist immer der Drittvergleich, also der Blick auf bankenübliche Konditionen. Ist keine fixe Laufzeit vereinbart, müssen die Beteiligten daher von einem Kontokorrentkredit mit der üblichen hohen Verzinsung ausgehen!

Unser Tipp: Auch wenn es der Verwaltungsgerichthof nicht zwingend verlangt, sollten Gesellschafter und Gesellschaft unbedingt eine schriftliche Vereinbarung über das Darlehen treffen. Besonders wichtig: Dokumentieren Sie, dass die Gesellschafter zum Zeitpunkt der Kreditgewährung über ausreichende Bonität verfügen.

Steht die Bonität der Gesellschafter auf dem Prüfstand, sind das laufende und das zukünftige Einkommen, die Stabilität der Einkommenssituation, Ersparnisse – vor allem Immobilien und Kapitalvermögen – und Schulden und Verpflichtungen maßgeblich

Hier die Aussicht auf künftige Gewinnausschüttungen einzurechnen, akzeptiert der Fiskus jedoch nicht. Das sei unsicher. Gehen die Gesellschafter bald in Pension, verschlechtert das in den Augen der Finanz die Einkommenssituation. Kleiner Trost: Sicherheiten können weiterhelfen, sollte es um die Bonität der Betroffenen nicht gut bestellt sein.

 

Sicherheiten für die Forderungen einholen

Diese Sicherheiten müssen geeignet sein, ungehindert von anderen Gläubigern die Forderungen der Gesellschaft zu erfüllen. Sobald – bei Laufzeiten von mehr als drei Jahren – der Kreditrahmen 50.000 Euro übersteigt, besteht die Finanz im Übrigen darauf, dass Sicherheiten eingeholt werden. Alles andere wäre schließlich fremdunüblich. Verschlechtert sich die Bonität der Gesellschafter, muss die Gesellschaft unverzüglich handeln.

Fremdübliche Geldmittelüberlassung oder verdeckte Ausschüttung? Geht es um die Einordung von Gesellschafter-Verrechnungskonten, ist entscheidend, wie das Gesamtbild aussieht. Die Finanz wird diese Frage verstärkt anhand der Bonität der Gesellschafter und der eingeräumten Sicherheiten beurteilen. Sprechen Sie daher unbedingt mit Ihrer Steuerberaterin und Ihrem Steuerberater.

 

 

Dr. Georg Salcher

 

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Jänner 2017, Fotos Bundesministerium für Finanzen und Consultatio